ICH bin der Weinstock,
ihr seid die Reben; wer in Mir bleibt und Ich in ihm,
der bringt viel Frucht; denn getrennt von Mir könnt ihr nichts tun! Johannes
15,5
Ihr lieben Missionsfreunde!
Dieses „Ich bin Wort“ unseres Herrn Jesus kennen wir wohl zur Genüge, doch manchmal stehen sogar wir „altbewährten Christen“ in der Gefahr, in frommer Betriebsblindheit genau das nicht zu beherzigen. Jeder, der auch nur etwas vom Weinbau versteht, sagt sich, das ist doch klar. Das Ziel des Weinanbaus ist eine reiche Ernte von Trauben. Alles muß darauf gerichtet sein: das Wetter, der Boden, die Stützen des Rebstocks, der Winterschnitt, das Ausbrechen der Geiztriebe und der überzähligen Fruchtansätze; alles dient dem „Vielfruchtbringen“. Der Herr Jesus spricht ja in diesem Gleichnis so verständlich, daß man sagen kann, jeder muß es verstehen. Und doch, im Lauf der Geschichte von uns Christen, ja sogar in unserer eigenen überschaubaren Lebenszeit haben wir es oft mit Verwunderung gesehen, wie beständig der Versuch gemacht wurde, getrennt von dem lebendigen Herrn und Seinem Wort, Früchte zu produzieren, die sich zwar selbst als christlich verstehen wollen, es aber in Wahrheit nicht sind. Da gibt und gab es junge Menschen, die unter dramatischen Umständen Jesus als ihren Heiland annahmen, anfangs mit großer Begeisterung die Bibel lasen, beteten und öffentlich für Jesus Zeugnis gaben. Am liebsten hätten sie die ganze Welt umarmt und zu Jesus geführt. Manche gingen sogar auf die Bibelschule oder studierten Theologie, um dem Herrn noch besser dienen zu können, wie sie meinten. Doch plötzlich hörte man nichts mehr von ihnen; jedenfalls nichts, was dem Herrn Ehre machen könnte. Oder da gab es große Erweckungen in bestimmten Gemeinden, wo man zu Hunderten oder zu Tausenden hinströmte, um etwas vom Segen des Herrn abzubekommen. Doch plötzlich flogen ein paar Ehen leitender Brüder buchstäblich in die Luft oder man stritt sich plötzlich über bestimmte Lehren innerhalb der Gemeinden und nach wenigen Monaten oder Jahren waren die einst so blühenden Gemeinden zu kleinen Häuflein geschrumpft. Und plötzlich besuchte sie niemand mehr, um „einen Segen zu empfangen“, wie man zuvor meinte. Viele unter uns könnten solche Geschichten mit Namen und Adressen benennen. Doch darum geht es nicht. Paulus mahnt nicht umsonst: „Darum, wer sich dünkt, er stehe, der sehe wohl zu, daß er nicht falle“ (1.Kor. 10,12)! Die wahren Ursachen für solche Ereignisse sind jedoch immer in der mangelnden Verbindung mit dem Herrn Jesus zu finden. Man hatte sich nach Wundern, Zeichen oder „großen Männern im Reich Gottes“ ausgerichtet, diese verehrt und ihre Worte begierig aufgenommen, aber nicht die lebendige Verbindung mit Jesus gesucht! Man hatte „die schlechten Jünger“ mit dem HERRN verwechselt. - Menschliche Sympathien, große Gefühle und organisierte Ereignisse standen im Vordergrund, nicht aber der HERR selbst! - Kein Wunder, daß nach einiger Zeit zerstörerische Sünden, Spaltungen und Irrlehren das schöne Menschenwerk zersetzen. - Ohne mich könnt ihr nichts tun, sagt der Herr Jesus doch überdeutlich (Joh.15,5)! Aber was tut man unter den Gotteskindern nicht alles ohne den Herrn?! - Viele pflegen ihren persönlichen Egoismus hinter einer christlichen Fassade und versuchen noch dazu den allmächtigen Gott zusätzlich vor ihren Karren zu spannen. Hier muß der HERR eingreifen wie der Weinbauer; muß „die Rebschere“ nehmen und „die wilden Triebe“ samt den überflüssigen falschen Früchten abschneiden, auch wenn es weh tut! Geht es Ihm doch nicht darum, daß in der Gemeinde ´was los ist! - Es geht Ihm auch nicht zuerst um die Anerkennung und den Gestaltungswillen der Christen in Politik, Wirtschaft, den Medien und dem ganzen öffentlichen Leben, wie das uns manche heute weiß machen wollen! Es geht auch nicht um eine schöne „Vielfalt in der Einheit“ der unterschiedlichen Konfessionen unter dem Dach einer sogenannten Ökumene! Es geht dem Herrn einzig und alleine um die Frucht des Glaubens, die wir als gereifte Christen hervorbringen sollen!
Wie tröstlich, daß wir das nicht selbst produzieren müssen und daß uns „der religiöse Leistungsstress“ der Religionen, einschließlich der Katholischen, fremd sein darf!!! - Wir müssen uns den Himmel und „die Erlösung“ nicht mühsam erarbeiten mit unseren guten Taten. Alles wird uns allein durch Jesus Christus geschenkt - wegen Seines Opfers und Verdienstes am Kreuz! Das unterscheidet uns grundsätzlich von allen Religionen dieser Welt! - Die einzige Bedingung aber für uns ist und bleibt die buchstäblich organische Verbindung mit dem Herrn im Heiligen Geist! Darum sagt Paulus auch so dringlich: „Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein“(Röm.8,9)!
Wie wird nun diese lebendige
Verbindung deutlich? - Um es gleich zu sagen: Paulus redet hier nicht von
einer mystischen und geheimnisvollen Verbundenheit des Christen, die in speziellen Sitzungen bei Kerzenschein
geübt werden müßte, wie das heute bei etlichen „mystisch-neokatholischen“
Vereinigungen“ praktiziert wird. Nein, Jesus erklärt es selbst: „Wer Mich
liebt, der wird mein Wort halten und der Vater und ich werden zu ihm kommen und
Wohnung in ihm machen“ (Joh.14,23). Also, die lebendige Verbindung mit Jesus
ereignet sich über dem Halten Seines heiligen Wortes, nicht über gesuchten oder
gemachten „spirituellen Erlebnissen“. Solche kann uns auch der Teufel je nach
Geschmack und Erwartung zuhauf vorgaukeln! - Nicht wahr, Du Gotteskind, wenn
wir uns in Übereinstimmung mit dem klaren Wort des Herrn befinden, dann können
wir auch heute schon den tiefen Frieden und die Freude durch den Heiligen Geist
empfinden, von der der Herr sprach (Joh.14,27). - Nicht
„begeisterte Leute“ braucht und gebraucht der Herr, sondern von Seinem Geist
erfüllte Jünger, die Ihm und Seinen Worten folgen! - Hier ist die fundamentale
„Schnittstelle“ des Glaubens oder der Verführung! - Wahrer Glaube stützt
sich auf das ganze Wort des Herrn! Verführung hingegen basiert auf persönlichen
„Lieblingsstellen“ der Bibel und romantischer, rationalistischer und zuweilen
auch esoterischer Gefühlsduselei. Wort und Geist aber gehören zusammen!!! Sie
stehen nicht im Widerspruch zueinander. Wer des Herrn Wort hält, der wird auch
die von Ihm verheißenen geistlichen Erfahrungen machen! Wer Sein Wort jedoch
nicht hält, löst damit die organische Verbindung zum Herrn und ein anderer
Geist wird ihn bestimmen. Die Werke machen es dann offenbar (siehe Galater
5,19-22)!!! - Gewiß, die Jünger Jesu sind auch heute nicht immer nur
sündlos, aber sie tun Buße und kehren schnell wieder unter die Autorität Jesu
und Sein Wort zurück - in wahrer Reue und Buße (1.Joh.1,7).
- Aber dieses kann gar nicht oft genug bezeugt werden: Die klassische
Verführung heute besteht im Ablassen vom klar geschriebenen Wort des Herrn, das
wir in der Heiligen Schrift vorliegen haben. - Es ist schon aberwitzig; Je
einfacher und je mühloser das Wort Gottes zugänglich wurde, je größer wurde die
Bestreitung seiner wörtlichen Gültigkeit. Je mehr Bibeln in Umlauf gebracht
wurden, um so heftiger bestritt „die historisch-kritische“ Bibelauslegung in
Europa die Vollgültigkeit der Schrift. Heute ist es bereits innerhalb der
Gläubigen strittig, ob alle klar definierten Aussagen des Wortes noch gültig
sind. Mit der Loslösung vom Wort Gottes breitet sich aber auch die Geist- und
Gottlosigkeit immer mehr aus. An den Früchten sieht man dann aber auch, wes
Geistes Kinder solche Menschen sind. Mutwillige Ehezerstörung,
Haß, Neid, Habsucht, tollste Irrlehren, geduldete „wilde Ehen“ und wechselnde
Partnerschaften usw. usw. Alles das sind die Krankheitssymptome, die sich auch in
den Gemeinden unter den sogenannten Gläubigen ausbreiten, wenn man nicht mehr
über das Wort mit dem Herrn verbunden ist.
Wie sieht nun aber die
Frucht aus, welche der Herr in uns hervorbringen will? Bekanntermaßen
finden wir sie im Galaterbrief Kapitel 5 Vers 22 beschrieben:„Die Frucht des
Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit,
Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit.“ - Unendlich viel könnte man nun hierzu
anführen, doch wir wollen uns aus Platzgründen nur auf das Wesentliche
beschränken. Zuerst kommt bei dieser Himmelsfrucht die Liebe zum
Vorschein. Aus Liebe rettete uns der Herr, und Liebe wird auch das erste sein,
was in der Verbindung mit dem Herrn im Gläubigen hervorkommt. So lehrt der Herr
uns, zuerst alle Menschen mit den Augen der Liebe Gottes zu sehen; in all ihrer
Verlorenheit in ihrer Not, bis hin zur Feindesliebe. Der Gläubige erhält so
eine grundlegend neue Sichtweise für seine Mitmenschen und die Welt. Diese
Veränderung ist für alle zu bemerken! War der Gläubige zuvor introvertiert und
ichbezogen, so wird er nun freundlicher auf seine Mitmenschen zugehen können. Die
Freude und der Friede Gottes breiten sich automatisch auch in und um ihn
aus, soweit es seinen Einfluß betrifft. Da dieses auch von seiner Umgebung schnell
bemerkt wird, kann der Gläubige nun aber trotzdem und gerade deswegen Angriffe
von außen erleben. „Der Fürst dieser Welt“ möchte natürlich solches nicht auf
Erden verbreitet sehn! Doch Jesus bleibt Sieger!!! Die Anfechtung bringt hierbei zugleich zwei
neue Fähigkeiten der Geistesfrucht hervor; nämlich die Geduld und
Freundlichkeit. Zwei Haltungen sind hier angesprochen, die zwar ebenfalls in dieser Welt „als hohe Tugenden“
auffallen und sogar von ihr geschätzt werden, weil die Welt solche nur mit
großer Mühe nachahmen kann. Der Herr aber gibt sie Gratis jedem, der an und in
Ihm lebt!!! - Gütigkeit, Treue und
Sanftmut können von der Welt zwar bemerkt und bewundert werden, diese aber
können unmöglich von ihr nachgemacht werden. Es sind ja ganz unmittelbare
Eigenschaften Gottes, die hier geschenkt werden und die der menschlichen
Natur gänzlich fremd sind und darum ohne Jesus auch unerreichbar werden. Der
Herr Jesus will aber durch den Heiligen Geist diese göttlichen Fähigkeiten auf
den willigen Gläubigen übertragen. Ein von Gott geheiligtes Wesen wird hier im
gläubigen Menschen zwar erst nur
bruchstückhaft, aber doch für alle mehr und mehr erfahrbar neu hervorgebracht.
Schließlich bringt Gottes Geist eine Fähigkeit in dem einst gänzlich
egoistischen Menschen zum Vorschein, die die Welt zwar auch nachzuahmen
versucht, aber doch nur, um in einer ungöttlichen Karikatur der
Selbstverachtung und Schöpfungsverneinung einzumünden; der Askese. - Der
Gläubige aber wird mit der Fähigkeit zur Enthaltsamkeit (oder Zucht und
Besonnenheit) von seinem Egoismus und von aller Habsucht so befreit, daß er in
göttlicher Enthaltsamkeit bereit wird, alles Irdische selbstlos zu gebrauchen
oder sogar um des Evangeliums oder um seines Nächsten willen, zu entbehren,
ohne dabei seine Freude an Jesus und der Welt einzubüßen! Die Freiheit vom
Egoismus und der materiellen Gebundenheit machen für den Christen die
Himmelsverbundenheit schon im Erdenleben deutlich sichtbar. Hier wird auch
deutlich, wie falsch die „Lehre vom Wohlstand und Reichtum aller Christen“ ist,
wenn sie nur richtig glaubten. Der Herr will uns das Nötige geben, aber vor
allem Seine Geistesfrucht! Diese will der Herr in uns leuchtend hervorbringen,
und ER hat damit ja auch schon längst bei Dir und mir angefangen, damit die
Welt erkennt; Gott hat in Jesus den Retter gesandt!
Die Frage
lautet für uns; ob Du und ich, ob wir das wirklich auch wollen; also, ob wir
bereit sind, solche geheiligten Jünger zu werden?! So mancher „Schnitt, Regen oder Sonnenhitze“
des HERRN an Seinem „Weinstock“, (auch in unserem Leben) dient jedenfalls
diesem Ziel, viel Frucht zu bringen! Ein Austrieb ohne Frucht sollen wir nicht
sein! Jesus segne Euch zu Seiner Geistesfrucht reichlich! - Amen - Euer Pastor
R. Sorger, BfdW