1946 war ich in einem russischen Gefangenenlager. Die Verzweiflung
war so groß, wie sie größer nicht sein könnte. An einem Tag öffneten sich
sieben Kameraden die Pulsadern. Damals fing ich an, über das Leben nach dem
Tode ernsthaft nachzudenken. Ich erkannte, es gibt noch etwas
Schlimmeres, als den Hunger und Durst - die Gottesferne, Hoffnungslosigkeit,
Verzweiflung und Resignation, die viele zum Selbstmord treibt. Mich trieb es damals ins Gebet. Etwa so betete ich: „Wenn Du, Herr Jesu,
wirklich Gott bist und lebst, so hole mich aus dieser Hölle ´raus und mein
Leben und Dienst gehört Dir!“ Ich wußte damals nicht, daß dieses Gelöbnis auch
wirklich Konsequenzen für mein Leben hat. - Etwa ein halbes Jahr betete ich so
zu Gott, manchmal ganze Nächte durch. In einer Nacht, während ich betete, erlebte
ich die Gegenwart des Herrn so stark, daß ich plötzlich mit einer so großen
Freude erfüllt wurde, die ich vorher nie gekannte
hatte. Ich mußte aufhören zu bitten und anfangen, Gott zu loben und Ihm zu
danken. - Wo Jesus da ist, dort hört das Klagen und Jammern auf, und es
verwandelt sich in Lob und Dank! Die Freude wurde so unerträglich groß, daß ich
den Herrn bitten mußte: "Herr Jesus, höre auf, mich zu segnen, denn ich
kann die Segnungen nicht mehr ertragen.“ Vor Freude konnte ich in diesem Gefängnis
nun Luftsprünge machen. - Dabei wurde mir aber auch klar gezeigt, daß meine
Gebete erhört sind und ich bald entlassen würde, was dann auch nach etwa zwei
Wochen geschah. Diese besondere Begegnung mit dem Herrn machte mich so freudig,
daß ich es nicht für mich behalten konnte. Freudestrahlend berichtete ich den
Kameraden, was ich mit Gott erlebt hatte, und daß mir meine baldige Entlassung
von Gott angezeigt worden war. Keiner konnte und wollte es wirklich glauben:
„Bei dem stimmt’s nicht; der ist schon durchgedreht“;
so sagten sie. Aber tatsächlich nach
etwa zwei Wochen war es so weit. - Es gab viele nachdenkliche Gesichter. „Wie
konnte der entlassen werden?“ So fragten sich meine Kameraden. Damals erkannte
ich, daß Jesus immer größer und stärker ist, als alle irdischen und
überirdischen Mächte. „Gelobt sei Gott, der Vater unsers Herrn Jesus Christus,
der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen
Hoffnung - durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten; zu einem
unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen
Erbe, das behalten wird im Himmel für euch, die ihr AUS GOTTES MACHT durch den
Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit“(1.Petr.1,3-5). Amen! Alfred
Lenkeit, Missionsgründer
von BfdW (1994 verstorben)